Als Beitrag zu den „Internationalen Wochen gegen Rassismus 2025“ lud BRÜCKE-KÖPRÜ am Freitag, den 28.März zu einer besonderen Lesung mit orientalischer Musik in die historischen Kapellen von St. Egidien ein.
Die jungen deutsch-türkischen Musiker aus Nürnberg und Wiesbaden Ozan Coskun (Gitarre) und Ismael Metin Cadiroglu (Ney/Rohrflöte) brachten dabei klassisch-türkische Instrumentalmusik in einen absolut ungewöhnlichen Klangdialog mit Bach und Schubert! Dazu Lesungen aus dem bekannten Werk „Vogelgespräche“ des persischen Mystikers Faridud-Din Attar (gest. 1220). Während der Sufi-Mystiker Mevlana Djalal ad-Din Rumi vielen bekannt ist, ist die Begegnung mit dessen Lehrmeister Fariduddin Attar für viele etwas gänzlich Neues. Dabei ist sein zentrales Werk, die "Vogelgespräche“, das die Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel völlig zu Recht als "Meisterwerk“ bezeichnete, eines der wichtigsten Versepen nicht nur der persischen Mystik, sondern der Weltliteratur.
In dieser großartigen Erzählung ruft der Wiedehopf (im Koran Botschafter zwischen Salomo und der Königin von Saba) die Vögel der Welt dazu auf, ihn auf der beschwerlichen, jahrelangen Reise zum Berg Qaf zu begleiten, wo er den Vogelkönig Simurgh zu finden verspricht. Doch erstmal trifft der Wiedehopf auf erheblichen Widerstand, auf Ablehnung und Zweifel. Zahlreiche Vögel wollen sich ihm aus unterschiedlichsten Gründen nicht anschließen, und dennoch versucht er sie zu überzeugen, jeden einzelnen, mit durchwachsenem Erfolg: so kehrt der Papageis lieber in seinen goldenen Käfig zurück und auch die Nachtigall ist so sehr in die unglückliche Liebe zur Rose versunken, dass ihr die Offenheit für alles andere fehlt. Es sind solche Passagen, die die Zeitlosigkeit der "Vogelgespräche“ demonstrieren. Attar dekliniert anhand der Vögel menschliche Haltungen, Eigenschaften, und Schwächen durch, und egal, was dem Wiedehopf entgegengebracht wird, stets setzt er auf die Überzeugungskraft des Wortes. Schlussendlich macht sich eine gewaltige Vogelschar im Gefolge des Wiedehopfs auf den Weg zum Qaf, und dieser Weg durch die sieben Täler des Sufi-Pfades ist das sprichwörtliche Ziel. So viele Vögel bleiben auf der Strecke, dass es am Ende nur dreißig von ihnen schaffen, dem Vogelkönig Simurgh zu begegnen, also sich selbst, und die Selbsterkenntnis zu erlangen. Denn "si murgh" bedeutet auf Persisch "dreißig".
Für das christlich-muslimische Publikum des Abends war es eine ästhetisch unglaublich schöne und gleichzeitig dichte Begegnung; zur Musik, dem eindrucksvollen Vortrag von Ismail Metin Cadiroglu und dem Gesang der beiden Musiker traten Lichtinstallationen und die mittelalterliche Kunst der christlichen Kapellen in einen dichten Dialog, der jenseits von Worten und kognitivem Verstehen berührte.
Als BRÜCKE-KÖPRÜ freuen wir uns jetzt schon auf das nächste interreligiöse Musikprojekt, das bereits am 25. Juli diesen Jahres gemeinsam mit Ismail M. Cadiroglu, weiteren türkeistämmigen Musikern und Sängern der reformierten Gemeinde St. Jakob in Vorbereitung ist: „Ein feste Burg…“ im Serail des Sultans“ (Details siehe Veranstaltungskalender BRÜCKE-KÖPRÜ)