Zwischen Tradition und Transformation. Christliche und muslimische Frauen im Gespräch (Beitrag: Sultan Durak)

Endlich war es soweit! Die erste Veranstaltung nach dem Umzug der Brücke-Köprü in die Christuskirche am Siemensplatz fand am 21. Februar 2025 statt. Muslimische und christliche Frauen folgten der Einladung ins interreligiöse Gespräch zu kommen. Beim Betreten des Seminarraumes hörte man schon von allen Seiten, wie gemütlich der Raum eingerichtet sei. In gemütlicher Atmosphäre bei türkischem Tee und Kaffee erzählten im Laufe des Abends Christinnen und Musliminnen über ihre spirituellen Quellen im Alltag.

Die Ausgangsfrage von einer interessierten Christin war eigentlich: „ Für die muslimischen Männer ist das Freitagsgebet Pflicht, doch wann gehen muslimische Frauen in die Moschee und wo stärken Sie ihren Glauben?“ Muslimische Frauen können am Freitagsgebet auch teilnehmen, häufig ist es jedoch eine Zeit und Raumfrage war eine der Antworten. Die meisten Moscheen sind für das Freitagsgebet dermaßen gut besucht, dass jeder freie Platz zum Gebet benötigt wird. Für die Männer ist es Pflicht, sofern Sie es sich zeitlich und beruflich einrichten können daran teilzunehmen. Das Freitagsgebet ist für die Frau eine Freiwilligkeit.

Die musl. Gäste erzählten, dass auch während der Woche vormittags und abends Gottesdienste für Frauen und junge Mädchen; vor allem an den Wochenenden angeboten werde. Manche musl. Frauen fühlten sich gestärkt, wenn sie in Gemeinschaft in der Gemeinde beten könnten, einige empfanden es zu Hause im Stillen auf dem Gebetsteppich zu beten viel spiritueller. Eine Muslimin erzählte, dass Sie im Mevlana-Tanz sich Allah sehr nahe fühle. Von einer weiteren Schwester hörten wir, dass sie sich jahrelang schon mit ihren Freundinnen einmal im Monat zu Hause treffe. Dabei lesen Sie aus dem Quran, beten gemeinsam mit anschließendem Tee und Gebäck. Eine Muslimin erzählte, dass Sie sich beim achtsamen Wandern den Schöpfer sehr nahe sei.

Als die christlichen Gäste erzählten, dass Sie auch fasten, zwar zu unterschiedlichen Zeiten und Anlässen – fand man etwas weiteres Gemeinsames. Heuer kommen sogar die Ramadanzeit und die christliche Fastenzeit zusammen. Daraufhin erzählten die muslimischen Frauen, wie sehr sie sich auf den Fastenmonat freuen, auf das gemeinsame Fastenbrechen mit Familie, Freunden, Gemeinde und das Teravih-Gebet. Aber es sei auch anstrengend, denn man kann ja nicht immer seinen Jahresurlaub dafür nehmen. Voll leistungsfähig zu sein als eine Fastende sei schon eine Herausforderung. Aber gerade im gesegneten Ramadan zu fasten ist eine große Kraftquelle für viele Gläubige. Eine christliche Schwester erzählte, dass Sie im Intervall faste, auf Süßigkeiten und Medienkonsum verzichte.

Die christlichen Gäste berichteten über ihre Klosterbesuche, da könne man fernab von dem Alltag und dem Weltlichen zu sich kommen - wieder bewusst zur Mitte zurückfinden. Die muslimischen Frauen erklärten wiederum, dass der Salah, das 5 x körperliche Gebet eigentlich diese Aufgabe im Alltag übernehme. Im alltäglichen Leben durch das Gebet eine Pause einzulegen, rituell mit Wasser in Kontakt zu kommen und sich damit zu massieren und in die Tiefe der Spiritualität einzutauchen. Wer das wirklich kann, müsse doch kein Burnout befürchten? Die Realität sieht jedoch anders. Ständiger Zeit- und Leistungsdruck prägen unser aller Leben.

Eine muslimische Bewohnerin war mit ihrer 10-jährigen Tochter anwesend. Ihre Tochter besuchte eine der Nachbarsschulen und sie kannte die Kirche, denn sie waren schon für die Schulgottesdienste öfters hier gewesen. Mit der Mutter spielte sie jedoch nur auf dem Spielplatz. Am Ende der Veranstaltung bedankte sich die Mutter. Es wäre für Sie ein besonderes Ereignis gewesen mit ihrer Tochter gemeinsam hier sein zu dürfen. Von alleine hätte sie sich nicht getraut, die Christuskirche grundlos zu betreten, erst durch die interreligiöse Veranstaltung und Einladung konnte Sie ihre Berührungsängste überwinden. Die christlichen Gäste erklärten ihr, dass auch viele auf der christlichen Seite Berührungsängste mit Muslimen hätten und wünschten weitere Veranstaltungen von der Brücke-Köprü.